Rhythmische LektĂĽre

(Beitrag erschienen im Juni-Einblick 2016)

Die Gestaltung unseres Schulrhythmus bewegt viele von uns und wird es noch eine Weile tun. Wenn die Umsetzung der veränderten Unterrichts- und Pausenzeiten Schritt für Schritt greifen wird, werden einige von uns insbesondere in der Übergangszeit die Frage aufkommen sehen, warum wir das machen, warum wir uns das antun.

Dabei kann es helfen, einen Blick auf die Grundlagen zu werfen. Sie liegen in der Wissenschaft der Chronobiologie. Drei BĂĽcher vermitteln deren Inhalte anschaulich und mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Diese BĂĽcher sind:

Peter Spork: Wake Up!

Peter Spork ist Wissenschaftsjournalist und hat eine flotte Schreibe. Bei allen wissenschaftlichen Fakten, die er zusammenträgt, ist das Buch gut verständlich geschrieben. Da gibt es Kapitel zum Thema »Mehr Licht!« und »Mehr Dunkelheit!« – was widersprüchlich klingt, ist inhaltlich durchaus sinnvoll. Im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Tagesrhythmus an unserer Schule besonders interessant ist das Kapitel »Macht Schulzeiten für Schüler, nicht für Lehrer!« Spork führt seine Anregungen zu einem 8-Punkte-Plan zusammen. Da ist potenziell für jeden von uns etwas dabei.

Till Roenneberg: Wie wir ticken

In diesem Buch gibt es eine tiefere Fundierung der Grundlagen der Chronobiologie.

Roenneberg ist Professor an der Ludwig Maximilian Universität in München. Wer zufällig die Wissenschaftsdokumentation »Der Mythos vom gesunden Schlaf« am Gründonnerstag auf 3SAT gesehen hat, konnte Prof. Roenneberg im Interview erleben. Einige seiner Äußerungen seien hier kurz wiedergegeben (zum Teil etwas in »Schriftsprache« übersetzt):

  • Wer mit Wecker aufwacht, der hat nicht ausgeschlafen – so einfach ist das. Der wird zu frĂĽh geweckt.
  • In Deutschland haben wir immer noch die sehr starke Moralvorstellung, dass je frĂĽher jemand ist, desto braver, disziplinierter und damit auch intelligenter oder sonst noch was ist er. Und mit dieser Vorstellung mĂĽssen wir endlich einmal aufräumen.
  • Der frĂĽhe Aufsteher ist der gesunde Mensch, der vernĂĽnftige Mensch. Das stimmt. Aber nicht mehr bei uns. Und was meine ich damit? Es stimmt, wenn wir zum Beispiel drauĂźen arbeiten, das heiĂźt, wenn wir unserer inneren Uhr ganz viel Licht geben und wenn wir nachts kein kĂĽnstliches Licht anmachen. (…) Nun haben wir aber diese Bedingungen nicht mehr. Aber wir haben immer noch diese Vorstellung in uns eingepflanzt, dass wenn jemand nicht von alleine morgens aufwacht, dann ist irgendwas komisch mit ihr.

Zum Thema Schule sagt Roenneberg: Wir unterrichten die Jugendlichen in ihrer internen Mitternacht. Das ist nicht effektiv. (…)

Die Disco-Hypothese

In seinem Buch steigt Prof. Roenneberg in die einzelnen Kapitel mit Beispielen aus dem Alltag ein, die er dann wissenschaftlich erklärt. Dabei kommt auch die von ihm als „Disco-Hypothese“ bezeichnete Auffassung zur Sprache, bei der es um die These geht, ob pubertierende Jugendliche nicht einfach früher ins Bett gehen können, damit sie morgens in der Schule wach sind. Im Buch steht, was er dazu zu sagen hat.

Alternative zum Lesen

Wer Till Roenneberg übrigens lieber hören als lesen möchten, der kann sich von der Website der Deutschen Forschungsgemeinschaft seinen Vortrag »Von Eulen und Lerchen« vom 27. März 2012 im Haus der Wissenschaft Bremen herunterladen. Der Link hierzu ist: http://mediathek.dfg.de/video/von-eulen-und-lerchen-1/

JĂĽrgen Zulley und Barbara Knab: Unsere innere Uhr

Die Autoren sind Schlafforscher und gehen in ihrem Buch unter anderem auf die bekannt gewordenen Bunker-Versuche in Andechs ein, bei denen Menschen ohne äußere Einflüsse (wie z.B. Tageslicht) über längere Zeit unter wis­sen­schaft­li­cher Begleitung gelebt haben. Dabei stellte sich heraus, dass sich der persönliche Tagesrhythmus meist in die Länge zog. Diese Versuche waren eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung der Chronobiologie als Wissenschaftszweig. Das Thema Beleuchtung und innere Uhr hat dementsprechend einen großen Stellenwert.

Allerdings muss zu diesem Buch einschränkend gesagt werden, dass die dargestellten wissenschaftlichen Fakten schon etwas älter sind und die neueren Erkenntnisse zum Schlafverhalten von Jugendlichen dementsprechend keine Berücksichtigung finden bzw. Schlussfolgerungen gezogen wurden, die heute als überholt gelten. Dennoch finden sich interessante Aspekte zum Thema gesunder Schlaf, die man auch für das eigene Leben nutzen kann.

 

Hier noch einmal die Daten zu den genannten Publikationen. In unserem Lädchen bestellt man das ein oder andere Buch sicher gerne für Sie.

  • Peter Spork: Wake Up! Aufbruch in eine ausgeschlafene Gesellschaft. Carl Hanser Verlag MĂĽnchen, 2014. ISBN 978-3-446-44051-7
  • Till Roenneberg: Wie wir ticken. Die Bedeutung der Chronobiologie fĂĽr unser Leben. DuMont Buchverlag, Köln, 2010. ISBN 978-3-8321-61880-0
  • JĂĽrgen Zulley, Barbara Knab: Unsere innere Uhr. NatĂĽrliche Rhythmen nutzen und der Non-Stop-Belastung entgehen. Mabuse-Verlag, Frankfurt a.M, 2. Auflaage 2014. ISBN 978-3-940529-32-9

Gisela King
fĂĽr die Delegation Schulrhythmus