{"id":236,"date":"2017-02-02T11:11:14","date_gmt":"2017-02-02T10:11:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schulrhythmus.de\/?p=236"},"modified":"2017-02-06T23:24:31","modified_gmt":"2017-02-06T22:24:31","slug":"welche-rolle-spielt-der-schlaf-fuer-den-schulrhythmus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schulrhythmus.de\/?p=236","title":{"rendered":"Welche Rolle spielt der Schlaf f\u00fcr den Schulrhythmus?"},"content":{"rendered":"<p><em>(Beitrag erschienen im Februar-Einblick 2017)<\/em><\/p>\n<p>In der letzten Ausgabe des Einblicks haben wir die Rolle der Chronotypen f\u00fcr den Schulrhythmus betrachtet. Da unserer Delegation u.a. der morgendliche Unterrichtsbeginn am Herzen liegt, scheint auch der Schlaf relevant zu sein. Dieser Schein tr\u00fcgt nicht.<\/p>\n<p>So kann der Mensch erst dann einschlafen, wenn er m\u00fcde ist, wenn also ein gewisser Schlafdruck aufgebaut ist. Das Einsetzen von M\u00fcdigkeit h\u00e4ngt mit dem Schlafhormon Melatonin zusammen. Die Bildung von Melatonin setzt gegen Abend ein und erreicht in der Nacht ihren H\u00f6hepunkt. Da die Melatoninbildung lichtabh\u00e4ngig ist, wird sie mit dem morgendlichen hellen Licht gestoppt, man wird dann munter.<\/p>\n<p>Die Verschiebung des Chronotyps, wie er im letzten Einblick vorgestellt wurde, f\u00fchrt dazu, dass Jugend\u00adliche sp\u00e4ter m\u00fcde werden und dementsprechend sp\u00e4\u00adter ins Bett gehen. Untersuchungen haben ergeben, dass der Anteil der Abendtypen von Klassenstufe 5 bis Klassenstufe 9 von 8% auf 35% ansteigt und der Anteil der Morgentypen in der gleichen Zeit von 32% auf 8% sinkt (Vollmer 2012)<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Organisatorische Ma\u00dfnahmen \u2013 wie fr\u00fcher ins Bett gehen \u2013 helfen nicht, da die Bildung des Schlafhormons bis zu 2 Stunden sp\u00e4ter als beim Erwachsenen einsetzt und die Sch\u00fcler dementsprechend einfach nicht einschlafen k\u00f6nnen; sie k\u00f6nnen also nichts f\u00fcr ihr Schlafdefizit.<\/p>\n<p>Ein guter Schlaf ist die Grundlage daf\u00fcr, einerseits ausgeglichen und entspannt durch den Tag gehen zu k\u00f6nnen und sich andererseits konzentriert mit Neuem besch\u00e4ftigen zu k\u00f6nnen. Ausreichend langer und tiefer Nachtschlaf ist die Voraussetzung f\u00fcr die Verankerung und die Umwandlung von Ged\u00e4chtnisinhalten, so dass man zuk\u00fcnftig leichter lernen und das neu erworbene Wissen auch auf andere Bereiche \u00fcbertragen kann: Aus implizitem Wissen wird explizites Wissen. Dieses Festigen von Lerninhalten w\u00e4hrend der Nachtruhe passiert bei Kindern offenbar sogar effektiver als bei Erwachsenen. Die Waldorfp\u00e4dagogik arbeitet sehr bewusst mit der Nacht und dem Schlaf. Die Unterrichtsinhalte sollen einmal \u00bbdurch die Nacht gehen\u00ab, bevor am n\u00e4chsten Tag in neuer Weise damit umgegangen werden kann.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-237\" src=\"https:\/\/www.schulrhythmus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/schlaufdauer_in_h-700x379.jpg\" alt=\"Schlafdauer\" width=\"700\" height=\"379\" srcset=\"https:\/\/www.schulrhythmus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/schlaufdauer_in_h-700x379.jpg 700w, https:\/\/www.schulrhythmus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/schlaufdauer_in_h-300x162.jpg 300w, https:\/\/www.schulrhythmus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/schlaufdauer_in_h-768x416.jpg 768w, https:\/\/www.schulrhythmus.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/schlaufdauer_in_h.jpg 785w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/p>\n<p class=\"Artikeltext\" style=\"text-align: left;\" align=\"left\"><strong>Bild: Die Schlafdauer von Sch\u00fclern unserer Schule gem\u00e4\u00df einer Umfrage im Jahr 2015.<\/strong><\/p>\n<p>Das Schlafbed\u00fcrfnis von Kindern liegt bei 10-11 Stunden, das von Jugendlichen bei 8-9 Stunden. Alle Sch\u00fcler m\u00fcssen aufgrund der bisherigen fr\u00fchen Anfangszeit um 7:45 Uhr gleich fr\u00fch aufstehen, unabh\u00e4ngig davon, wann sie einschlafen konnten. Damit sinkt die Schlafdauer von Jugendlichen an Schultagen mit zunehmendem Alter immer mehr ab, da die Sch\u00fcler aufstehen m\u00fcssen, obwohl sie noch nicht ausgeschlafen haben. Jugendliche sammeln im Laufe der Schulwoche ein Schlafdefizit an. In der 9. Klasse kann dieser sog. soziale Jetlag mehr als 4 Stunde betragen (Vollmer 2012). Lehrer aus der Oberstufe berichten von m\u00fcden Sch\u00fclern w\u00e4hrend des Hauptunterrichtes, die zum Teil sogar einschlafen. Sch\u00fcler, die erst in der zweiten H\u00e4lfte des Hauptunterrichtes wach werden, werden aber auch schon in der ersten Klasse beobachtet.<\/p>\n<p>Ein Leben gegen den eigenen Rhythmus und langfristig mangelnder Schlaf k\u00f6nnen zu erheblichen Gesundheitsproblemen f\u00fchren, die auch langfristige Erkrankungen einschlie\u00dfen. M\u00f6gliche Folgen sind dann das Nachlassen von Reaktionsverm\u00f6gen und Ged\u00e4chtnisleistung, geringere Stresstoleranz und erh\u00f6hte Reizbarkeit, Depressionen, aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und erh\u00f6htes Diabetes-Risiko.<\/p>\n<p>Ein gesunder Schlaf leistet somit seinen Beitrag zu einem gesunden Tages- und Schulrhythmus. Im n\u00e4chsten Einblick widmen wir uns der Frage, was die Chronobiologie eigentlich mit der Waldorfp\u00e4dagogik zu tun hat und anschlie\u00dfend jener, ob wir wirklich nur von einer ver\u00e4nderten Uhrzeit des Unterrichtsbeginns reden.<\/p>\n<div align=\"right\">\nGisela King<br \/>\n(f\u00fcr die Delegation Schulrhythmus)\n<\/div>\n<div text-size=\"small;\"\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>Christian Vollmer: Zeitgeber des circadianen Rhythmus von Jugendlichen &#8211; Quantitative Fragebogenstudie und Unterrichtsevaluation. Dissertation P\u00e4dagogische Hochschule Heidelberg, 2012<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Beitrag erschienen im Februar-Einblick 2017) In der letzten Ausgabe des Einblicks haben wir die Rolle der Chronotypen f\u00fcr den Schulrhythmus betrachtet. Da unserer Delegation u.a. der morgendliche Unterrichtsbeginn am Herzen liegt, scheint auch der Schlaf relevant zu sein. Dieser Schein tr\u00fcgt nicht. 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