Änderungen im Schulrhythmus zum Start des Schuljahres 2017/18

(Beitrag erschienen im September-Einblick 2017)

Mit dem jetzt beginnenden Schuljahr setzt die Delegation Schulrhythmus den zweiten Teil ihrer Veränderungen für einen gesunderen Tagesablauf um. Hierfür hat sie sich im vergangenen Schuljahr darauf konzentriert, Kriterien für eine gute Stundenplangestaltung zu erarbeiten und Ideen entwickelt, wie die Stundentafel vor allem beim Übergang in die Mittelstufe entlastet werden kann. Im Kern hat sich die Delegation auf die folgenden Ziele verständigt:

  • Vermeidung der 4. Fachstunde in den Klassen 1 – 4
  • Vermeidung von 5 Fachstunden am Stück in den Klassen 5 – 11

Diese Ziele sollen erreicht werden durch eine Reduzierung des Unterrichtsumfanges um maximal 3 Schülerstunden pro Woche in den Klassenstufen 3 – 12. Dabei wird auf eine harmonische Verteilung über Klassen, Fächer und Kollegen geachtet. Grundsätzlich gilt:

  • Stundenstreichungen wirken sich in diesem Schuljahr nicht auf das Deputat der Unterrichtenden aus.
  • Stundenstreichungen werden nach einem Jahr evaluiert. Betroffene Klassen und Fachbereiche werden von der Delegation während des Schuljahres eng begleitet. Dabei wird kritisch geschaut, wie sich der verbesserte Stundenplan und die veränderte Stundentafel auf die Schüler auswirken.
  • Das Ziel ist nicht die Reduzierung des Unterrichtsangebotes, sondern gute Rahmenbedingungen für dieses zu schaffen. Daher sind Stundenstreichungen nicht „in Stein gemeißelt“. Durch veränderte Bedingungen (wie die Raumsituation und Deputateverteilung) können in Zukunft neue Spielräume entstehen, welche zum Beispiel im Fachbereich Sport vorstellbar sind.

Aus der Stundenplanung für dieses Schuljahr hat sich ergeben, dass die obigen Ziele wie geplant erreicht sind. Insbesondere ist der Nachmittagsunterricht in der Mittelstufe harmonischer verteilt. So ist das Unterrichtsende über die Wochentage hinweg gleichmäßiger gestaltet als in der Vergangenheit. Vor allem der Wechsel von der 5. in die 6. Klasse sollte hierdurch für die Schüler gesünder zu erleben sein.

Die Stundenpläne mit den jeweiligen Details sind mit dem Beginn des Schuljahres in den einzelnen Klassen wie gewohnt verteilt worden.

Wir wünschen uns allen ein rhythmisch gesundetes Schuljahr. Natürlich wird die Delegation auch weiterhin über Hintergründe und Ergebnisse ihrer Arbeit berichten, wofür wir noch einmal auf unsere Webseite www.schulrhythmus.de hinweisen.

Thomas Neukirchner und Roland Jesse
für die Delegation Schulrhythmus

Die 2. Stufe der Neugestaltung des Schulrhythmus

(Dieser Beitrag ist eine erweiterte Fassung des Artikels im Juli-Einblick 2017.)

Mit dem Start des momentan ausklingenden Schuljahres hatte die Delegation Schulrhythmus die Pausengestaltung verändert. Was kommt als nächstes? Werden wir jetzt den Schultag später beginnen? Lag darin nicht das ursprüngliche Ziel der Delegationsarbeit?

Nun, bei der Verbesserung des rhythmischen Ablaufs unseres Schulalltags unter den Gesichtspunkten der Chronobiologie ist ein schrittweises Vorgehen empfehlenswert. Dieses ermöglicht, die vorgenommenen Änderungen begleiten, beobachten und auf sich ergebenden Anpassungsbedarf reagieren zu können.

Um eine Verschiebung des morgendlichen Unterrichtsbeginns geht es im jetzt bevorstehenden 2. Schritt zum neuen Schuljahr noch nicht. Ehe diese Verschiebung angegangen werden kann, sind gesundende Vorabschritte bei der Gestaltung des eigentlichen Tagesrhythmus notwendig. Das ist u. a. das Ergebnis der Rückmeldungen und Anmerkungen, welche die Delegation im Laufe ihrer bisherigen Arbeit aus der Schulgemeinschaft erhalten hat.

Worum geht es?

Ab dem kommenden Schuljahr wird der Stundenplan gesünder gestaltet als er es momentan ist. Konkret wird das durch eine Kürzung der Anzahl von Unterrichtsstunden der Schülerinnen und Schüler erreicht. Derzeit erleben wir insbesondere in der Mittelstufe einen erheblichen Anstieg des Unterrichtsumfangs auf bis zu 35 Stunden, in der Oberstufe auf bis zu 40 Stunden pro Woche.

Mit dem Beginn des Schuljahres 2017/18 werden diese Stundenumfänge verringert. Die Reduzierung verteilt sich gemäß der Darstellung auf die einzelnen Klassenstufen und umfasst jeweils maximal drei Stunden, wie die folgende Tabelle zeigt:

Klassenstufe Bisheriger Stundenumfang Stundenumfang ab SJ 2017/18 Maximale Reduzierung
1 Unverändert 20 Stunden
2 Unverändert 23 Stunden
3 23 ≥22 -1 Stunde
4 26 ≥24 -2 Stunden
5 29 ≥26 -3 Stunden
6 35 ≥32 -3 Stunden
7 35 ≥32 -3 Stunden
8 34 ≥32 -2 Stunden
9 33/35 (inkl. Chor) ≥31/33 (inkl. Chor) -2 Stunden
10 33/35 (inkl. Chor) ≥30/32 (inkl. Chor) -3 Stunden
11 34/36 (inkl. Chor) ≥31/33 -3 Stunden
12 Abi: 38/40 (inkl. Chor)
RSA: 29-33 (FHR, Chor)
≥37/39
≥28-32
-1 Stunde
13 Unverändert

Die Kürzungen sind dabei immer maximale Angaben. Diese können grundsätzlich auch geringer ausfallen, wenn die Stundenplanung dieses ergibt. Zur besseren Veranschaulichung der Verteilung aller Gesamtstunden über die Klassenstufen sowohl vor als auch nach der Reduzierung dient die folgende Darstellung:

Stundenumfänge jetzt und ab SJ 2017/18

Die tatsächlichen maximalen Reduzierungen der Unterrichtsstunden gestalten sich unterschiedlich über die Klassenstufen hinweg. In der folgenden Darstellung ist erkennbar, dass insbesondere die Mittelstufe mit ihrem hohen Umfang von Unterrichtsstunden entlastet wird:

Maximale Reduzierung des Stundenumfangs ab SJ 2017/18

Was haben die geplanten Unterrichtskürzungen mit einem gesunden Rhythmus zu tun?

Grundsätzlich geht es darum, die positiven Erfahrungen der 1. Stufe fortzuführen, somit u.a. eine weitere Verbesserung der Pausensituation zu erreichen. Diese wird sich zum Beispiel in einer möglichst gemeinsamen Mittagspause für alle Schüler einer Klasse sowie einer möglichst einheitlichen Zeit für die Mittagspause über die Woche hinweg zeigen.

Gesundend wirken sich die Kürzungen auch dadurch aus, dass mit ihnen eine 5. Fachstunde am Stück vermieden werden kann. Es entsteht der notwendige Freiraum und Luft in der Stundenplanung, um ein inhaltliches und pädagogisches Neugreifen von Unterrichten sowie Arbeitsgemeinschaften ermöglichen zu können.

Nachdem beim Wechsel von der Sechstagewoche auf die Fünftagewoche die Anpassungen beim Unterrichtsumfang nicht entsprechend erfolgt sind, wird die sehr komprimierte Woche jetzt ein wenig entlastet. Die verfügbare Unterrichtszeit kann damit vor dem Hintergrund einer geringeren Stressbelastung der Schülerinnen und Schüler intensiver genutzt werden. Neben einer rein quantitativen Betrachtung der Anzahl der Unterrichtsstunden entsteht der Raum, die Qualität des Unterrichts noch intensiver in den Fokus zu stellen, als es bisher schon der Fall ist.

Welche Stunden werden genau gekürzt?

Die Details des Stundenplans für das kommende Schuljahr werden derzeit noch erarbeitet und liegen beim Verfassen dieses Beitrags und Erscheinen des Juli-Einblicks noch nicht vollständig vor. Es ist das Ziel, in der Stundenplanung die konkrete Ausprägung der Reduzierungen bis zum Ende des Schuljahres auszuarbeiten. Sie ergibt sich passend zu den Deputatsbedarfen des Kollegiums durch eine harmonische Verteilung über die Fächer, Kollegen und Klassen. Die entsprechenden Diskussionen mit Vertretern der Fachschaften zu den pädagogischen Konzepten werden momentan geführt.

Die Delegation strebt dabei an, den Weg zu ebnen für eine Neugestaltung einzelner Fächerkombinationen insbesondere der Mittel- und Oberstufe. Angedacht sind z.B. Poetikepochen, welche die Fächer Deutsch, Musik und Eurythmie stimmig miteinander kombinieren, in Summe jedoch weniger Zeit als die Fächer einzeln für sich benötigen; ebenfalls im Fokus steht ein Fachunterricht, der teilweise mit Sprachunterricht kombiniert werden kann.

Der entstehende Stundenplan wird wie bisher (halb-) jährlichen Veränderungen gemäß der Deputatsbedarfe unterliegen. Die Stundenplanung für das Schuljahr 2017/18 entspricht somit weiterhin einer Fassung, welche in den kommenden Jahren wieder an die realen Rahmenbedingungen angepasst wird.

Was kommt danach?

Im neuen Schuljahr wird die Delegation die angestoßene Neugestaltung des Tages- und Wochenrhythmus beobachten und begleiten. Auf dieser Basis wird die Delegation die mögliche Veränderung des morgendlichen Unterrichtsbeginns erarbeiten. Zu den Ergebnissen wird es wie gewohnt weitere Berichte und natürlich auch wieder einen Informationsabend geben.

Jörg Heil und Roland Jesse
(für die Delegation Schulrhythmus)

Umfrage Stufe1

Unser Kind geht derzeit in die folgende Klasse?

  • 1-4 (60%, 3 Votes)
  • 5-7 (40%, 2 Votes)
  • 11-13 (0%, 0 Votes)
  • 8-10 (0%, 0 Votes)

Total Voters: 5

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Hat Ihr Kind zu den verlängerten Pausen Rückmeldung gegeben?

  • Ja,positive (80%, 4 Votes)
  • Ja, weder positive noch negative (20%, 1 Votes)
  • Ja, negative (0%, 0 Votes)
  • Nein (0%, 0 Votes)

Total Voters: 5

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Hat Ihr Kind zu den verkürzten Unterrichtslängen Rückmeldung gegeben?

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Die Pausenverpflegung ist durch die längeren Pausen besser aufgegessen?

  • Nein (40%, 2 Votes)
  • Weiß nicht (40%, 2 Votes)
  • Ja (20%, 1 Votes)

Total Voters: 5

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Umfrage zur 1. Änderung des Schulrhythmus

(Beitrag erschienen im April-Einblick 2017)

Mit Beginn des aktuellen Schuljahres hatte die Delegation Schulrhythmus die erste Ände­rung in die Wege geleitet. Dabei wurden zwei Pausen um jeweils fünf Minuten verlängert: die Pause nach dem Hauptunterricht, welche von 15 auf 20 Minuten ausgeweitet wurde, sowie die Pause zwischen der zweiten und dritten Fachstunde, welche jetzt 15 statt 10 Mi­nuten umfasst. Im Gegenzug wurde die Dauer des Hauptunterrichts um fünf Minuten kür­zer gestaltet und die dritte Fachstunde der vierten Fachstunde angeglichen.

Diese Veränderungen dienen der qualitativen Verbesserung der tatsächlichen Unterrichts­zeiten ebenso wie dem Aufwerten der Pausen. Um die Wirkung und die Erfahrungen mit diesen Veränderungen auswerten zu können, befragt die Delegation derzeit die Schüler, Lehrer und Eltern zu ihrer Wahrnehmung dieser Veränderung.

Alle Eltern – insbesondere der Unterstufe, aber auch darüber hinaus – sind somit eingela­den, die Fragen der Umfrage zu überdenken und für jedes Kind durch Ausfüllen bzw. An­kreuzen zu beantworten.

Die Antworten sind pro Familie und Schulkind sehr willkommen und können entweder auf dem Frühlingsmarkt am 1. April, per E-Mail an schulrhythmus@fws-ka.de oder direkt hier auf der Homepage der Delegation abgegeben werden.

Die Auswertung wird nicht personenbezogen sondern in anonymisierter Form vorgenom­men.

Vielen Dank für alle Rückmeldungen!

Was hat die Chronobiologie mit der Waldorfpädagogik zu tun?

(Beitrag erschienen im März-Einblick 2017)

In den letzten beiden Ausgaben des Einblicks haben wir den Einfluss der Chronotypen und des Schlafs in Bezug auf den Schulrhythmus betrachtet. Abgesehen von diesen recht allgemeingültigen Rahmenbedingungen für einen gesunden Tagesablauf stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die Erkenntnisse der Chronobiologie auf die Waldorfpädagogik und somit den konkreten schulischen Alltag unserer Schüler haben.

Dafür stellen wir fest: Die maximale Aufmerksamkeitsspanne ist je nach Alter unterschiedlich lang. Bei jüngeren Schülern beträgt sie ca. 20 Minuten, ab 12-14 Jährigen etwa 30 Minuten. Bei Jugendlichen und Erwachsenen lässt sich ein Aufmerksamkeits-Zyklus von ca. 120 Minuten feststellen, der als Basis-Ruhe-Aktivitäts-Zyklus (BRAC) bezeichnet wird. Die Beobachtungen zeigen, dass nach einer Arbeitsphase von maximal 90 Minuten eine längere Pause von 30 Minuten notwendig ist. Eine Unterrichtseinheit sollte daher maximal 90 Minuten betragen, was derzeit in etwa einer Doppelstunde entspricht, oder in zwei Einheiten á 45 Minuten aufgeteilt wird. Danach sollte eine längere Pause folgen, welche nach Möglichkeit mindestens 15 Minuten lang ist.

BRAC-Zyklus

Ein entscheidendes Prinzip des Waldorflehrplans liegt in der Abstimmung der Unterrichtsinhalte und Unterrichtsformen auf die Prozesse kindlichen Lernens und die Stufen menschlicher Entfaltung in Kindheit und Jugend. Der Unterricht ist von Schulbeginn an auf das Ziel innerer menschlicher Freiheit hin orientiert.
Die Waldorfpädagogik geht in ihrer Erziehungsmethode von einem Menschenbild aus, das jeden Menschen als eine sich selbst bestimmende geistige Persönlichkeit betrachtet. Auf dieses geistige Freiheitswesen (auch Künstler- oder Liebewesen genannt) hat der Lehrer bzw. der Erzieher keinen direkten Einfluss. Er kann nur die Entwicklungsbedingungen entsprechend förderlich oder auch hemmend der sich aus sich selbst entwickelnden Persönlichkeit anbieten.

Zu diesen Entwicklungsbedingungen gehört auch, dass Schüler jeden Alters im Einklang mit ihren jeweiligen Chronotypen leben und lernen können. So ist die Leistungsfähigkeit von Morgentypen bereits am frühen Vormittag gegeben. Viele Studien (auch aus Deutschland) haben jedoch gezeigt, dass Abendtypen durch die in Deutschland üblichen frühen Anfangszeiten der Schule benachteiligt werden, was sich auch deutlich auf die schulischen Leistungen auswirkt.

In Summe zeigt sich somit, dass die Waldorfpädagogik mit der Chronobiologie verzahnt bzw. durch diese beeinflusst ist. Der morgendliche Unterrichtsbeginn ist dabei ein Aspekt, jedoch nicht der einzige. In einer der beiden folgenden Ausgaben des Einblicks werden wir die Bandbreite der für den Schulrhythmus relevanten Faktoren noch etwas umfassender betrachten.

Gisela King
(für die Delegation Schulrhythmus)

Welche Rolle spielt der Schlaf für den Schulrhythmus?

(Beitrag erschienen im Februar-Einblick 2017)

In der letzten Ausgabe des Einblicks haben wir die Rolle der Chronotypen für den Schulrhythmus betrachtet. Da unserer Delegation u.a. der morgendliche Unterrichtsbeginn am Herzen liegt, scheint auch der Schlaf relevant zu sein. Dieser Schein trügt nicht.

So kann der Mensch erst dann einschlafen, wenn er müde ist, wenn also ein gewisser Schlafdruck aufgebaut ist. Das Einsetzen von Müdigkeit hängt mit dem Schlafhormon Melatonin zusammen. Die Bildung von Melatonin setzt gegen Abend ein und erreicht in der Nacht ihren Höhepunkt. Da die Melatoninbildung lichtabhängig ist, wird sie mit dem morgendlichen hellen Licht gestoppt, man wird dann munter.

Die Verschiebung des Chronotyps, wie er im letzten Einblick vorgestellt wurde, führt dazu, dass Jugend­liche später müde werden und dementsprechend spä­ter ins Bett gehen. Untersuchungen haben ergeben, dass der Anteil der Abendtypen von Klassenstufe 5 bis Klassenstufe 9 von 8% auf 35% ansteigt und der Anteil der Morgentypen in der gleichen Zeit von 32% auf 8% sinkt (Vollmer 2012)[1]. Organisatorische Maßnahmen – wie früher ins Bett gehen – helfen nicht, da die Bildung des Schlafhormons bis zu 2 Stunden später als beim Erwachsenen einsetzt und die Schüler dementsprechend einfach nicht einschlafen können; sie können also nichts für ihr Schlafdefizit.

Ein guter Schlaf ist die Grundlage dafür, einerseits ausgeglichen und entspannt durch den Tag gehen zu können und sich andererseits konzentriert mit Neuem beschäftigen zu können. Ausreichend langer und tiefer Nachtschlaf ist die Voraussetzung für die Verankerung und die Umwandlung von Gedächtnisinhalten, so dass man zukünftig leichter lernen und das neu erworbene Wissen auch auf andere Bereiche übertragen kann: Aus implizitem Wissen wird explizites Wissen. Dieses Festigen von Lerninhalten während der Nachtruhe passiert bei Kindern offenbar sogar effektiver als bei Erwachsenen. Die Waldorfpädagogik arbeitet sehr bewusst mit der Nacht und dem Schlaf. Die Unterrichtsinhalte sollen einmal »durch die Nacht gehen«, bevor am nächsten Tag in neuer Weise damit umgegangen werden kann.

Schlafdauer

Bild: Die Schlafdauer von Schülern unserer Schule gemäß einer Umfrage im Jahr 2015.

Das Schlafbedürfnis von Kindern liegt bei 10-11 Stunden, das von Jugendlichen bei 8-9 Stunden. Alle Schüler müssen aufgrund der bisherigen frühen Anfangszeit um 7:45 Uhr gleich früh aufstehen, unabhängig davon, wann sie einschlafen konnten. Damit sinkt die Schlafdauer von Jugendlichen an Schultagen mit zunehmendem Alter immer mehr ab, da die Schüler aufstehen müssen, obwohl sie noch nicht ausgeschlafen haben. Jugendliche sammeln im Laufe der Schulwoche ein Schlafdefizit an. In der 9. Klasse kann dieser sog. soziale Jetlag mehr als 4 Stunde betragen (Vollmer 2012). Lehrer aus der Oberstufe berichten von müden Schülern während des Hauptunterrichtes, die zum Teil sogar einschlafen. Schüler, die erst in der zweiten Hälfte des Hauptunterrichtes wach werden, werden aber auch schon in der ersten Klasse beobachtet.

Ein Leben gegen den eigenen Rhythmus und langfristig mangelnder Schlaf können zu erheblichen Gesundheitsproblemen führen, die auch langfristige Erkrankungen einschließen. Mögliche Folgen sind dann das Nachlassen von Reaktionsvermögen und Gedächtnisleistung, geringere Stresstoleranz und erhöhte Reizbarkeit, Depressionen, aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und erhöhtes Diabetes-Risiko.

Ein gesunder Schlaf leistet somit seinen Beitrag zu einem gesunden Tages- und Schulrhythmus. Im nächsten Einblick widmen wir uns der Frage, was die Chronobiologie eigentlich mit der Waldorfpädagogik zu tun hat und anschließend jener, ob wir wirklich nur von einer veränderten Uhrzeit des Unterrichtsbeginns reden.

Gisela King
(für die Delegation Schulrhythmus)
[1]Christian Vollmer: Zeitgeber des circadianen Rhythmus von Jugendlichen – Quantitative Fragebogenstudie und Unterrichtsevaluation. Dissertation Pädagogische Hochschule Heidelberg, 2012

Welche Rolle spielt der Schlaf für den Schulrhythmus?

(Beitrag erschienen im Februar-Einblick 2017)

In der Januar-Ausgabe des Einblicks haben wir die Rolle der Chronotypen für den Schulrhythmus betrachtet. Da unserer Delegation u.a. der morgendliche Unterrichtsbeginn am Herzen liegt, scheint auch der Schlaf relevant zu sein. Dieser Schein trügt nicht.

So kann der Mensch erst dann einschlafen, wenn er müde ist, wenn also ein gewisser Schlafdruck aufgebaut ist. Das Einsetzen von Müdigkeit hängt mit dem Schlafhormon Melatonin zusammen. Die Bildung von Melatonin setzt gegen Abend ein und erreicht in der Nacht ihren Höhepunkt. Da die Melatoninbildung lichtabhängig ist, wird sie mit dem morgendlichen hellen Licht gestoppt, man wird dann munter.

Die Verschiebung des Chronotyps, wie er im letzten Einblick vorgestellt wurde, führt dazu, dass Jugend¬liche später müde werden und dementsprechend später ins Bett gehen. Untersuchungen haben ergeben, dass der Anteil der Abendtypen von Klassenstufe 5 bis Klassenstufe 9 von 8% auf 35% ansteigt und der Anteil der Morgentypen in der gleichen Zeit von 32% auf 8% sinkt (Vollmer 2012). Organisatorische Maßnahmen – wie früher ins Bett gehen – helfen nicht, da die Bildung des Schlafhormons bis zu 2 Stunden später als beim Erwachsenen einsetzt und die Schüler dementsprechend einfach nicht einschlafen können; sie können also nichts für ihr Schlafdefizit.

Ein guter Schlaf ist die Grundlage dafür, einerseits ausgeglichen und entspannt durch den Tag gehen zu können und sich andererseits konzentriert mit Neuem beschäftigen zu können. Ausreichend langer und tiefer Nachtschlaf ist die Voraussetzung für die Verankerung und die Umwandlung von Gedächtnisinhalten, so dass man zukünftig leichter lernen und das neu erworbene Wissen auch auf andere Bereiche übertragen kann: Aus implizitem Wissen wird explizites Wissen. Dieses Festigen von Lerninhalten während der Nachtruhe passiert bei Kindern offenbar sogar effektiver als bei Erwachsenen. Die Waldorfpädagogik arbeitet sehr bewusst mit der Nacht und dem Schlaf. Die Unterrichtsinhalte sollen einmal »durch die Nacht gehen«, bevor am nächsten Tag in neuer Weise damit umgegangen werden kann.

Das Schlafbedürfnis von Kindern liegt bei 10-11 Stunden, das von Jugendlichen bei 8-9 Stunden. Alle Schüler müssen aufgrund der bisherigen frühen Anfangszeit um 7:45 Uhr gleich früh aufstehen, unabhängig davon, wann sie einschlafen konnten. Damit sinkt die Schlafdauer von Jugendlichen an Schultagen mit zunehmendem Alter immer mehr ab, da die Schüler aufstehen müssen, obwohl sie noch nicht ausgeschlafen haben. Jugendliche sammeln im Laufe der Schulwoche ein Schlafdefizit an. In der 9. Klasse kann dieser sog. soziale Jetlag mehr als 4 Stunde betragen (Vollmer 2012). Lehrer aus der Oberstufe berichten von müden Schülern während des Hauptunterrichtes, die zum Teil sogar einschlafen. Schüler, die erst in der zweiten Hälfte des Hauptunterrichtes wach werden, werden aber auch schon in der ersten Klasse beobachtet.

Ein Leben gegen den eigenen Rhythmus und langfristig mangelnder Schlaf können zu erheblichen Gesundheitsproblemen führen, die auch langfristige Erkrankungen einschließen. Mögliche Folgen sind dann das Nachlassen von Reaktionsvermögen und Gedächtnisleistung, geringere Stresstoleranz und erhöhte Reizbarkeit, Depressionen, aber auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und erhöhtes Diabetes-Risiko.

Ein gesunder Schlaf leistet somit seinen Beitrag zu einem gesunden Tages- und Schulrhythmus. Im nächsten Einblick widmen wir uns der Frage, was die Chronobiologie eigentlich mit der Waldorfpädagogik zu tun hat und anschließend jener, ob wir wirklich nur von einer veränderten Uhrzeit des Unterrichtsbeginns reden.

Schlafdauer
Bild: Die Schlafdauer von Schülern unserer Schule gemäß einer Umfrage im Jahr 2015.

Gisela King
(für die Delegation Schulrhythmus)

Entstehungsprozess der Delegation Schulrhythmus

Verfasst von Jörg Heil

1) Der erste Impuls

Der Schulrat beauftragte 2012 eine Delegation, die die Grundlagen für eine Ganztagsbetreuung an unserer Schule entwickeln sollte. Diese Delegation besuchte während ihrer Arbeit die Waldorfschulen in Heidelberg und Pforzheim. Im Juni 2013 stellte die Delegation GTS ein Grobkonzept für die Einrichtung einer offenen, teilgebundenen Ganztagsschule vor. Dieses Grobkonzept orientierte sich stark an den Erfahrungen der Waldorfschule Heidelberg. Der Schulrat übergab dem Kollegium den Auftrag eine Feinplanung des Ganztagsschulkonzepts vorzunehmen.

Zum Schuljahr 2013/14 machte sich eine Delegation des Kollegiums an die Arbeit. Bei genauerer Betrachtung des Heidelberger Konzepts stellte sich heraus, dass dort der Unterrichtsbetrieb noch gedrängter abläuft als in Karlsruhe, um ab Mitte des Nachmittags Zeit für die GTS-Angebote zu bekommen. Dies widersprach deutlich dem Wunsch nach einem entspannteren, durch längere Pausen gegliederten Schulalltag, der sowohl im Schulrat als auch in den Lehrerkonferenzen immer wieder geäußert wurde.

Diese Problematik wurde von der Kollegiums-Delegation im Schulrat und im Kollegium vorgestellt. Im weiteren Verlauf arbeiteten interessierte Eltern in der Delegation mit. Zum Arbeitsschwerpunkt dieser Delegation wurde die Betrachtung der zeitlichen Struktur des Schultags.

2) Initiativgruppe Tagesrhythmus

Im April besuchte eine Abordnung der Delegation die Waldorfschule Freiburg-Wiehre. Dort wurde ihr der veränderte Schulrhythmus und der dazugehörige Prozess vorgestellt.

Die Delegation Ganztagsschule vereinbarte eine Trennung der Themenfelder Ganztagsbetreuung und Tagesrhythmus. Es wurde die Initiativgruppe Tagesrhythmus ins Leben gerufen, die sich intensiv mit dem Rhythmus des Schultags auseinandersetzen wollte.

Diskutiert wurden verschiedene Möglichkeiten das Thema in die Schulgemeinschaft zu tragen, damit sich Eltern, Lehrer und Schüler damit beschäftigen.

Im Oktober 2014 organisierte die Initiativgruppe die Zukunftswerkstatt „Leben-Rhythmus-Takt“. An diesem Samstag besuchten uns Frau Lenzen und Frau Niebelung aus der Waldorfschule FR-Wiehre um über den geänderten Schulrhythmus  und die Erfahrungen damit zu berichten. Anschließend diskutierten Eltern, Lehrer und eine Schülerin mögliche Visionen für den Tagesrhythmus an unserer Schule. Die Initiativgruppe berichtete über die Zukunftswerkstatt im Einblick und im Schulrat.

Das Thema Rhythmus des Schultags wurde vom Kollegium für die Weihnachtsklausur im Januar 2015 ausgesucht. Hier diskutierte das Kollegium die Fragen „Was ist nötig, damit die Tagesstruktur in unserer Schule stärkt und gesundend wirkt? Was stört und schwächt Schüler (und Lehrer)?“  An­geregt durch die engagierten Gespräche fand sich am Ende der Weihnachtsklausur eine Gruppe aus Lehrern und Hortmitarbeitern zusammen, die das Thema Chronobiologie und Tagesrhythmus gemeinsam mit der Initiativgruppe voranbringen wollte. Seitens der anwesenden Kollegen wurde dieser Gruppe das Vertrauen ausgesprochen, sich mit dem Thema weiter zu beschäftigen und Vorschläge zu entwickeln.

Eine Teilgruppe der Initiativgruppe konzipierte, in Anlehnung an Erfahrungen der WS FR-Wiehre, eine Umfrage zu verschiedenen Fragen des Tagesablaufs/der Zeitstruktur des Schultags für Eltern der Klassen 1-8/OS-Schüler/Lehrer. Diese wurde im März 2015 verteilt und ab dem Sommer ausgewertet. Die Umfrageergebnisse dienen der heutigen Delegation als Datengrundlage für Ihre Überlegungen.

Seit dem Frühjahr 2014 hatten wir Kontakt zu Prof. Max Moser von der Universität Graz. Er ist ein renommierter Chronobiologe mit anthroposophischem Hintergrund, der auch die WS Klagenfurt und Wiehre bei der Umstellung des Schulrhythmus inhaltlich beraten hatte.

Im März 2015 besuchte Herr Moser unsere Schule und gestaltete Vorträge für die Schüler der Oberstufe, das Kollegium und am Abend für interessierte Eltern. Seine Ausführungen zielten nicht direkt auf den Rhythmus des Schultags, sondern verdeutlichen allgemein die Zusammenhänge zwischen verschiedener (Zeit-) Rhythmen und Körperrhythmen (-Funktionen).

3) Delegationsbeauftragung

Unsere Schule arbeitet schon seit einigen Jahren mit „Wege zur Qualität“, einem speziell auf anthroposophische Einrichtungen zugeschnittenen Qualitäts-Entwicklungsverfahren. Um in einem so großen Schulorganismus wie dem unseren sinnvoll Entscheidungen treffen zu können, sieht „Wege zur Qualität“ die Einrichtung dynamischer Delegationen mit Entscheidungsbefugnis vor. Eine solche dynamische Delegation hat den Auftrag, ein klar umrissenes Thema oder Problem zu bearbeiten. Die Delegation ist gehalten, während des Arbeitsprozesses immer wieder mit der Gemeinschaft Kontakt aufzunehmen, um inhaltliche Fragen zu klären oder sich beraten zu lassen. Die Entscheidung trifft die Delegation dann unter Berücksichtigung aller ihr bekannten Aspekte.

Im Laufe des Schuljahrs 2014/15 war der Themenkomplex Schulrhythmus in unterschiedlichsten Zusammenhängen in der Schulgemeinschaft präsent. Da es sich um ein Thema handelt, dass das Profil der Schule berührt, war der Schulrat das geeignete Gremium als Delegationsgeber. Im April 2015 wurde daher im Schulrat das Urbild für die Delegation erarbeitet. Darauf basierend wurde die Delegation Schulrhythmus im Mai 2015 gegründet. Sie besteht aus Eltern, Lehrern und Oberstufenschülern.

Der Auftrag der Delegation wurde wie folgt formuliert:

Was ist der Zweck der Delegation? („Welche Not soll behoben werden?“)

Nachdem über längere Zeit im Schulrat und in den Lehrerkonferenzen wiederholt der eng getaktete Ablauf der Schultage und andere Unzulänglichkeiten im Tagesrhythmus beklagt wurden, soll die Delegation den Tagesrhythmus an unserer Schule gemäß den unten genannten Gesichtspunkten neu gestalten.Sie beschließt über die Einführung des von ihr erarbeiteten Gesamtkonzepts, das auch eine Verringerung des zeitlichen Unterrichtsumfangs beinhalten kann und begleitet dessen Umsetzung.

Welche grundlegenden Gedanken werden der Delegation mitgegeben?

Das Leben der Schüler entfaltet sich zwischen Schlafen und Wachen, zwischen Phasen geistiger, seelischer, körperlicher Aktivität und Zeiten der Entspannung, zwischen Familie, Schule und der Teilhabe am allgemeinen (öffentlichen) Leben. Jeder Bereich hat seine eigenen Bedingungen, damit sich die ihm innewohnenden Qualitäten entfalten können. Die Aufgabe der Delegation soll sein, den Bereich des Lebens, der sich in der Schule abspielt, so zu gestalten, dass er sich gesundend auf die Entwicklung der Schüler auswirkt und ein effektives Lernen auf Grundlage der Waldorfpädagogik ermöglicht. Dabei sind die Auswirkungen auf die Familien und die außerschulischen Aktivitäten der Schüler genauso zu berücksichtigen wie die sich wandelnden gesellschaftlichen Anforderungen an Schule (z.B. die Frage der Ganztagesbetreuung) und auch die Auswirkung der Arbeitsbedingungen auf die Gesundheit der Lehrer.

Welche Aufgaben ergeben sich im Einzelnen?

  • Kompromissfähige Zeiten für Schulbeginn und –ende ermitteln.
  • Länge der Unterrichtseinheiten und Pausen aufeinander abstimmen.
  • Größtmögliche Regelmäßigkeit des Unterrichtsablaufs (Hauptunterricht als erste Unterrichtseinheit, regelmäßige Mittags- und Endzeiten) ist anzustreben. In diesem Zusammenhang sollte auch die Frage des Umgangs mit Unterrichtsausfällen entsprechend berücksichtigt werden.
  • Das Zusammenspiel der einzelnen Fächer in den verschiedenen Altersstufen betrachten und – ohne dass dabei der Charakter / die Grundlage der Waldorfpädagogik beeinträchtigt wird – den (zeitlichen) Unterrichtsumfang in Einklang mit den übrigen Bedingungen und Anliegen bringen.

Neben der Erarbeitung eines Konzepts für einen neuen Tagesrhythmus an der Schule umfasst der Auftrag an die Delegation auch die Begleitung der Umsetzung.

4) Die Arbeit der Delegation

Die neugebildete Delegation begann ihre Arbeit im Juni 2015. Die ersten Treffen dienten dazu sich kennenzulernen und intern die Arbeitsprozesse und -Schritte zu vereinbaren. Erste Zielstellung wurde die Schüler in den Mittelpunkt zu stellen (dabei die Arbeitsbedingungen der Lehrer beachten). Es wurden Untergruppen gebildet, die sich mit folgenden Themen beschäftigen: Kommunikation/Öffentlichkeitsarbeit, Grundlagen/Recherche, Schulweg, Tagesablauf/Unterrichts-/Pausengestaltung,  Hort/Frühbetreuung, Auswertung der Umfrage und Prozesshygiene.

Im November 2015 vereinbarten wir als interne Arbeitshypothese mit einem neuen Schulbeginn von 8:30 Uhr zu arbeiten. Diese Uhrzeit war für uns ein Kompromiss zwischen dem bestehenden Unterrichtsbeginn, den Bedürfnissen der unterschiedlichen Altersstufen der Schüler und den chronobiologischen Erkenntnissen.

Im weiteren Verlauf war die Delegation viermal Gast in der Pädagogischen Konferenz um mit dem Kollegium die Themenfelder Pausenlänge – und Gestaltung, Hauptunterricht und Fachunterricht zu diskutieren.

Da es in der Frage der Pausenlänge eine breiten Konsens gab, wurde die Verlängerung der Pausen  zur Stufe 1 unseres, im Mai 2016 im Schulrat, vorgestellten Drei-Stufen-Plans.

Bei Beibehaltung der Zeiten für den Unterrichtsbeginn und das Unterrichtsende wurden zu Beginn dieses Schuljahrs 2016/17 die Pausen zwischen HU/1.FS und 2./3.FS um jeweils fünf Minuten verlängert. Im Gegenzug wurde der HU und die 3.FS jeweils um 5 Minuten gekürzt.

Die Grundzüge der Endstufe des Drei-Stufen-Plans sind:

  • späterer Unterrichtsbeginn
  • Verlängerung der Pausen
  • einheitliches Schulende für Klassen 1+2, 3+4
  • bis zu 3 x pro Woche Unterricht bis 15:25 Uhr ab Klasse 5
  • gleiche freie Nachmittage für Klassen 6-8 und 9-11
  • Spielraum für hygienische Stundenplangestaltung
  • Unterrichtskürzungen in Klassen 6-8
  • Einrichtung einer Frühbetreuung

Problemstellungen bei der Umsetzung:

  • Raumsituation
  • aktuelle Deputatsverteilung
  • Verkehrssituation

Die Veröffentlichung dieser Zwischenergebnisse entfachte eine lebhafte Diskussion in der Schulgemeinschaft. Deshalb gestalteten wir im Juli 2016 einen Schul-Info-Abend um unsere Arbeit und ihre Hintergründe zu erläutern, Fragen zu beantworten und ein Feed-Back zu bekommen.

Neben Zustimmung zu unseren Plänen, gab es folgende Fragen/Kritikpunkte:

  • Beeinträchtigung des morgendlichen Familienlebens/ Betreuungsprobleme vor Schulbeginn
  • Schwierigkeiten für nachmittägliche Aktivitäten bei späterem Unterrichtsende
  • Kritik an Unterrichtskürzungen
  • Frage nach Sinn der Veränderungen
  • Kritik an den Unklarheiten von Stufe 2

Mit den Erkenntnissen aus dem vergangenen Schuljahr 2015/16 sind die nächsten Schritte der Delegationsarbeit die Erarbeitung eines zeitlichen Modells für den Unterrichtsrahmen, unter den aktuellen Rahmenbedingungen (insbesondere der Raumsituation) (Stufe 2). Die hierbei auftretenden Fragen/Modell-Alternativen sollen dann mit dem Kollegium und der Schulgemeinschaft diskutiert werden.

Die Delegation berichtet über ihre Arbeitsschwerpunkte und Überlegungen regelmäßig im Einblick (Schulzeitung), im Schulrat, in der Lehrerkonferenz (GK), im Schulführungskreis und im Vorstand.  Bei Schulveranstaltungen war sie mit Info-Ständen präsent. Sie hat eine eigene E-Mail-Adresse eingerichtet über die sie schriftliche Rückmeldungen aus der Schulgemeinschaft entgegennimmt. In Planung ist die Gestaltung einer eigenen Homepage als Informationsplattform.

Als problematisch für die delegationsinterne Arbeit war und ist, dass es (fast) keine Mitarbeit aus dem Unter-/Mittelstufen-Kollegium gibt. Auch haben wir intern lange gebraucht, bis uns klar war, wie wir zu Entscheidungen kommen. Reicht der Eindruck, dass (Teil-)Ergebnisse/Vereinbarungen eine breite Zustimmung  innerhalb der Delegation finden bzw. Konsens sind? Oder bedarf es der Abstimmung über klar formulierte Beschlüsse?

Die Delegation hat von Anfang an darauf Wert gelegt, dass keine Vorfestlegung auf ein Ergebnis stattfand. Widersprüchliche Meinungen zählen zum Alltag der Delegation – das hindert zwar daran, schnell zu einem Ergebnis zu kommen, ist aber für die Qualität des Ergebnisses hilfreich. Auch zwingt es alle Delegationsteilnehmer immer wieder dazu, die anderen Teilnehmer wert zu schätzen, und deren abweichende Meinungen und Argumente zu betrachten.

Der Auftrag der Delegation (vereinfacht dargestellt: später anfangen, längere Pausen, nicht viel später aufhören) ist widersprüchlich, und wahrscheinlich nicht ohne Unterrichtskürzungen (diese in Erwägung zu ziehen, ist Teil des Auftrags) möglich. Wichtige Aspekte der Delegationsarbeit sind neben den technischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und den (neueren) (chrono-)biologischen Erkenntnissen, auch die anthroposophischen Grundlagen der Waldorfpädagogik.

Leitgedanken zum Schulrhythmus

(Beitrag erschienen im Januar-Einblick 2017)

An unserer Schule beginnt der Unterricht seit Jahren um 7:45 Uhr. Wir haben uns daran gewöhnt, uns darauf eingerichtet – vielleicht auch damit abgefunden.

Warum wollen wir nun unter anderem an diesem Unterrichtsbeginn etwas ändern?

In dieser sowie den kommenden Ausgaben des Einblicks stellen wir wesentliche Gesichtspunkte vor, welche die Delegation Schulrhythmus antreiben und die Grundlage ihrer Arbeit bilden. Die Beiträge basieren auf der Auswertung von vielen Unterlagen und Untersuchungen, die wissenschaftlich anerkannt sind. Auch über die draus zu ziehenden Schlussfolgerungen besteht weitgehende Einigkeit unter den Wissenschaftlern. Diese Texte werden auch auf der Homepage der Delegation unter http://www.schulrhythmus.de/ verfügbar sein. Soweit möglich, verweisen wir dort auch auf weiterführende Informationen.

In diesem Text geht es zum Einstieg um die Frage: Was sind Chronotypen?

Jeder Mensch hat seinen eigenen, individuell unterschiedlichen Tagesrhythmus, auch als Biorhythmus bekannt. Dieser Rhythmus wird von sogenannten „inneren Uhren“ vorgegeben, die in unseren Zellen verankert sind. Basierend auf diesem Tagesrhythmus lassen sich Menschen in verschiedene Chronotypen einteilen: Es gibt Frühaufsteher (Lerchen als Morgentyp), Spätaufsteher (Eulen als Abendtyp) und diejenigen, die mit ihrem inneren Rhythmus irgendwo dazwischen liegen. Diese Chronotypen sind genetisch festgelegt und lassen sich durch äußere Faktoren nicht beeinflussen. Auf unserer Webseite haben wir einen Test verlinkt, mit dem jeder seinen eigenen Chronotyp herausfinden kann.

Chronotypen

Der Chronotyp eines Menschen macht im Laufe des Lebens Veränderungen durch. Kleine Kinder sind meist extreme Morgentypen. Mit Einsetzen der Pubertät verschiebt sich der Chronotyp nach hinten in Richtung Abendtyp. Diese Verschiebung beginnt etwa im Alter von neun Jahren und hat im Alter von ca. 20 Jahren ihren Extrempunkt erreicht. Danach verschiebt sich der Chronotyp wieder in den mittleren Bereich, um im Alter wieder in Richtung Frühtyp zu wandern. Diese Verschiebung passiert bei jedem Menschen, aber je nach individueller Veranlagung (also dem genetisch festgelegten Chronotyp) in unterschiedliche starkem Maße.

Im nächsten Einblick widmen wir uns der Rolle des Schlafs in der Chronobiologie, im Anschluss der Frage, was diese eigentlich mit der Waldorfpädagogik zu tun hat und darum, ob wir hier wirklich nur von einer veränderten Uhrzeit des Unterrichtsbeginns reden.

Gisela King
(für die Delegation Schulrhythmus)

Protokollauszug der Landeselternkonferenz am 22.10.2016 in Karlsruhe

Insgesamt waren 28 Teilnehmer (inklusive 10 Gäste) anwesend.

Begrüßung durch Michael Lieder mit einem Spruch von Gerhard Tersteegen:

Reich ist, wer viel hat. Reicher ist, wer wenig braucht.
Am reichsten ist, wer viel geben kann.

Zur Einstimmung durften wir uns an zwei unterschiedlich schwierigen Rhythmen, auch zweistimmig, als BodyPercussion einüben. Kurze Vorstellungsrunde der neuen Delegierten und der Gäste. Impulsvortrag und Diskussion zum Thema „Wege zu einem gesunden Schulrhythmus“

Das auf der Konferenz verteilte Handout der Delegation Schulrhythmus ist dem Protokoll als Anlage beigefügt. (Download)

Ergänzend zu dem Papier kamen die folgenden Fragen/Aspekte/Hinweise und Antworten aus der Runde:

  • Änderungen beim Hauptunterricht, bei den Hausaufgaben sind momentan noch nicht notwendig, weil sich ja an den Zeiten noch nichts geändert hat (momentan immer noch Beginn um 07:45 Uhr, später evtl. erst ab 08:30 Uhr
    geplant).
  • Getrennte Anfangszeiten für Unter- und Oberstufe wurden nach den Erfahrungen in Freiburg Wiehre gar nicht erst in Erwägung gezogen (Familien-Organisation bei Geschwisterkindern und Fahrgemeinschaften).
  • Die Nachmittage / Unterrichtsende sollen in den Klassenstufen möglichst einheitlich sein.
  • In Ostholstein wird bereits um 07:30 Uhr begonnen, weil man dort eben „aufsteht, wenn der Hahn kräht“. Dafür wird aber der Hauptunterricht in der Oberstufe (ab 9. Klasse) nach später verlegt. In Engstingen wird übrigens auch schon um 07:35 Uhr angefangen. In Heidenheim wurde ein versuchsweise späterer Schulbeginn zunächst mit Bewegung angefangen (bei ebenfalls späterem Hauptunterricht), letztendlich musste der Versuch aber wegen der Zwänge des ÖPNV wieder abgebrochen werden. In anderen Ländern wird schon seit längerem generell später am Tag mit dem Schul-Unterricht begonnen – ohne deswegen insgesamt schlechtere Ergebnisse hervorzubringen.
  • Prof.Moser an der Uni Graz hilft gerne, wenn man ihn diesbezüglich per Mail – am besten auch unter Bezugnahme auf Vorhaben an der eigenen Waldorfschule – anfragt.
  • Auch persönlich muss man häufig einiges ändern, um zu einem gesünderen Schlaf zu kommen. Der Einfluss des (Kunst-)Lichtes auf die anschließende Schlaf-Qualität ist enorm. Da wir tendenziell zu früh aufstehen, ist eine Umstellung auf einen späteren Beginn relativ leicht für den einzelnen
    Körper umzusetzen (im Gegensatz zur Veränderung auf einen früheren Beginn). Unterrichtsbeginn ist zwar um 07:45 Uhr, die Schüler sollen aber schon um 07:35 Uhr im Klassenraum sein. Viele Schüler – insbesondere aus Unter-/Mittelstufe – wollen auch selber schon ausreichend vor Unterrichtsbeginn in der Schule sein, um diese Zeit noch für den Austausch mit den Mitschülern zu nutzen.
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